Putin oder der Westen?

Merkel’s Politik lief bisher darauf hinaus, die osteuropäischen Staaten vor die Wahl zu stellen: Putin oder Merkel? Ihre berechtigte Hoffnung war, daß sie diesen Schönheitswettbewerb gewinnen könnte, dies umso mehr, als Präsident Obama und John Kerry im Zuge des „Pivot to Asia“ die Federführung der westlichen Politik gegenüber Russland und auch zu großen Teilen gegenüber Iran, Syrien und Israel nach Berlin delegiert hatte.

Eines der Ergebnisse dieses Arrangements war das Nuklear-Abkommen mit dem Iran, das der US-Präsident letzte Woche aufgekündigt hat. Es sah vor, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, wenn Iran nachweislich die Massenproduktion von hoch-angereichertem Uran und Plutonium für die nächsten 10 Jahre aussetzt.

Der Bau von Trägersystemen für Atomwaffen, wie z.B. Mittel- und Langstreckenraketen wurden in dem Abkommen nicht reglementiert, und es wurden auch keine weitergehenden Verhandlungen zu diesem Thema vereinbart oder aufgenommen.

Dasselbe gilt für militärische Aktionen in Irak, Syrien oder Jemen durch den Iran, teilweise direkt, teilweise durch vom Iran gesteuerte Milizen. Dem iranischen Hegemoniestreben, das sich in diesen Aktionen ausdrückt, ist der Westen unter Obama und Merkel auch kaum entgegengetreten.

Die neue US-Administration hat nun gefordert, dass eine Lösung für die drei genannten Probleme gefunden werden müsse, wenn das Atomabkommen Bestand haben solle. Es gibt Berichte, dass die entsprechenden Verhandlungen mit der EU, Großbritannien, Frankreich und Deutschland daran gescheitert sein sollen, dass die europäische Seite Regelungen abgelehnt haben soll, nach der die ursprünglichen Sanktionen automatisch wieder in Kraft getreten wären, sollte der Iran  nach Auslaufen des ursprünglichen Abkommens sich der Fähigkeit, ungehindert Atomwaffen herstellen zu können, bis auf 12 Monate nähern.

Warum die EU eine automatische Reaktivierung der Sanktionen auch für den Fall ablehnt, dass Iran nach 2025 wieder in großen Mengen Uran oder Plutonium anreichern sollten, erschließt sich mir nicht.

Nach dem Scheitern der Gespräche zur Nachbesserung des Abkommens hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika das ursprüngliche Abkommen für obsolet erklärt und das Wiederaufleben der Sanktionen gegen den Iran angekündigt.

Berlin in Panik

Nachdem Präsident Trump die Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft gesetzt hat, hat die EU kategorisch erklärt, dass sie diese Politik unwirksam machen wolle, und Schaden vom Iran abwenden wolle. Die USA wurden zum außenpolitischen Gegner erklärt, vor dem Iran geschützt werden müsse.

Man erklärte weiterhin, dass man Russland in eine Koalition einbinden wolle, deren Ziel es ist, US-Sanktionen unwirksam zu machen. Das hat natürlich auch Implikationen für die Sanktionen der EU gegen Russland. Man wird kaum davon ausgehen können, dass Russland sich bereit erklärt der EU zu helfen, US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen, und gleichzeitig akzeptiert, dass die EU eigene Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufrechterhält und US-Sanktionen gegen Russland anwendet.

Es ist natürlich auch eine ehrgeizige Annahme, dass ein eine Koalition zwischen der EU, Russland und dem Iran gegen die USA keine Auswirkungen auf die NATO hätte, und nicht die Bereitschaft der USA beeinflussen würde, amerikanische Soldaten sterben zu sehen, um die EU zu verteidigen.

Aber welche Bedrohung ist es denn, die Deutschland und die EU dazu bringt, den Schutz durch die NATO aufs Spiel zu setzen?

Was hat Berlin zu verlieren?

Hier stellt sich natürlich die Frage: Was ist für sie EU und seine grauen Eminenzen in Berlin so wichtig, dass man darüber das atomare Schutzschild der NATO aufgeben würde?

Die wahrscheinliche Antwort: Man fürchtet in Berlin, die Vorherrschaft über Europa zu verlieren.

Aber mal der Reihe nach:

Eine Wiederaufleben der Sanktionen würde zu einem sehr viel höheren Ölpreis führen. Ein Teil der Fördermenge des Iran würde vom Markt verschwinden, und es bestünde obendrein die Gefahr, dass Iran im Gegenzug versuchen würde, auch Öl aus Saudi Arabien und/oder Kuwait vom Weltmarkt fernzuhalten. Das könnte durch Beschränkungen der Durchfahrt durch die Straße von Hormuz geschehen, oder auch durch Terroristische Aktionen und/oder Raketenangriffe aus dem Jemen.

Ein daraus folgender Ölpreis um die 100 Dollar pro Fass würde einerseits das Wirtschaftswachstum in der EU und der Eurozone massiv ausbremsen. Andererseits würde dieser Preisanstieg zu einem erheblichen Inflationsschub führen, der sich nicht auf Energiepreise beschränkt. Das wiederum würde die EZB zu einer schnellen Zinserhöhung und zu einer Reduktion der Geldmenge zwingen.

Eine plötzliche Rezession, gepaart mit einer im Abschwung prozyklischen Zinsanhebung und restriktiver Geldpolitik würde in Italien und Griechenland zur Katastrophe führen. Andere Euro-Staaten würden ebenfalls in große Schwierigkeiten kommen.

Da Italien „too big to fail“, aber auch „too big to be saved“ ist, wäre eine Italienkrise das Ende der Eurozone, wie wir sie kennen.

Die die in der Panik der Griechenland-Krise von Merkel und Schäuble durchgesetzten Regularien garantieren jedoch die deutsche Dominanz über die Staaten der Eurozone. Daher würde ein Ende der Eurozone die  Machtposition der deutschen Regierung über die Eurozone und EU entscheidend schwächen.

Die Lösung mit Merkel und Putin

Aus Berliner Sicht ist also klar: Das iranische Öl darf unter keinen Umständen vom Markt verschwinden. Das ist jedoch nur möglich, wenn ein Markt für Öl eingerichtet wird, der nicht das Dollar-System nutzt. Die entsprechenden Kontrakte dürften nicht auf Dollar lauten, und der Clearing-Prozess müsste auch abseits des Dollars und möglicherweise auch ohne das SWIFT System und die meisten europäischen Großbanken organisiert werden.

Dazu müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Es muss genügend Öl auf diesem Euro-denominierten Markt verfügbar sein, um eine übergroße Volatilität zu vermeiden.
  2. Es muss die notwendige Infrastruktur auf der Finanz- und IT-Seite zur Verfügung stehen.

Das für einen neuen Öl-Markt außerhalb des Dollar-Systems notwendige Volumen an Öl müsste zum großen Teil von Russland kommen. Die aktuelle Reisen von Wirtschaftsminister Altmaier und Kanzlerin Merkel nach Russland sollen hier vermutlich zu einer Klärung führen.

Die Finanzmarkt-Infrastruktur könnte von der EU-Seite kommen. Das Euro-System kann internationale Transaktionen handhaben, und auch Kontrakte abwickeln.

Der Nutzen für Russland

Allerdings würde Russland als einer der größten Ölproduzenten weltweit auch zu den großen Gewinnern eines höheren Ölpreises gehören. Warum sollte Putin also Merkel helfen, das iranische Öl am Markt zu halten und den Ölpreis zu deckeln?

Diese Frage führt zur zweiten Hälfte des notwendigen Arrangements: Die Finanzmarkt-Infrastruktur. Der US-Kongress hat – teilweise gegen den Willen von Präsident Trump – Sanktionen gegen russische Banken verhängt, die Finanztransaktionen zwischen Russen und  Firmen bzw. Bürgern anderer Länder erheblich erschweren.

Eine Finanzmarkt-Infrastruktur, die internationale Transaktionen am Dollar-System vorbei ermöglicht, wäre also für Russland sehr hilfreich.

Russland würde

  • seinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten stärken,
  • die eigenen Exporterlöse gegen Drohungen mit Sanktionen aus USA und Europa absichern
  • und zusätzlich die Position des US-Dollar als Leitwährung erheblich schwächen

Diese drei Punkte zusammen könnten aus russischer Sicht eine Deckelung des Ölpreises im Bereich von 80 USD rechtfertigen, zumal ein weiterer Anstieg auch das Volumen der weltweiten Nachfrage reduzieren würde.

Automatisierung und Deglobalisierung

Johannes StockburgerDie gegenwärtige Welle der Automatisierung wird von „Big Data“ und der dazugehörigen IT-Infrastruktur getrieben.
Die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Daten-Infrastruktur, und damit die Machbarkeit automatischer Prozesse, sowohl in der industriellen Produktion als auch im Servicebereich, hängt wiederum von einer zuverlässigen und preisgünstigen Versorgung mit elektrischer Energie ab.

Diese zunehmende Welle der Automatisierung beraubt die superkomplexen globalen Lieferketten ihrer Daseinsberechtigung. Schließlich beruhte der Nutzen dieser Globalisierung in erster Linie auf den unterschiedlichen Arbeitskosten an unterschiedlichen Standorten. Die Lohnkosten eines Roboters sind jedoch Null. Die Frage des Standortes entscheidet sich an der Infrastruktur und an der allgemeinen Lebensqualität für hochqualifizierte Fachkräfte, die zum Betrieb der automatischen Anlage immer noch gebraucht werden.

Die „alte“ Globalisierung“

In den 3 Jahrzehnten zwischen 1970 und 2000 hatte sich die Weltwirtschaft weitgehend umstrukturiert: Produktionsschritte, die  einen großen Teil ihrer Wortschöpfung durch einfache manuelle Arbeiten erzielten, oder eine erhebliche Belastung der lokalen Umwelt mit sich brachten, wurden in Länder mit geringen Arbeitskosten ausgelagert. Der Trend zur Automation von Industrieproduktion und Dienstleistungen stellt heute diese überkommenen Strukturen massiv in Frage. gestellt.

11. September 2001 als Wendepunkt

In den vergangenen Jahren wurde der Trend zu diese Globalisierung immer schwächer, bis er sich schließlich umgekehrt hat. Begonnen hat diese Schwächung der Globalisierung mit dem 11. September 2001.

Die Abhängigkeit der Industrieländer und besonders der Vereinigten Staaten von komplexen globalen Lieferketten hatte sich zu einer echten Gefahr entwickelt.

Der Zenit der aktuellen Globalisierungswelle wurde in drei Bereichen besonders deutlich::

Energie

Der Angriff von Al Quaida auf die Machtzentren der USA, bei dem mehrere Tausend amerikanische Zivilisten getötet wurden, hat zu einer großen Entschlossenheit geführt, sich von den Ölvorkommen im Mittleren Osten unabhängig zu machen, unter anderem durch die Entwicklung der Gas- und Ölvorkommen in Schiefer-Formationen, und auch durch die Entwicklung von erneuerbaren Energien.

„Drill, Baby, drill“ war, neben den militärischen Interventionen in Afghanistan und Irak, die zweite wichtige Antwort der USA auf den 11. September.

Es wurde jedoch auch – zunächst kaum ernst genommen –  elektrisch betriebene Fahrzeuge, die unabhängig von Öl aus dem Mittleren Osten funktionieren, entwickelt.

Europa versuchte auch, sich vom Öl aus dem Mittleren Osten unabhängiger zu machen. Die Zusammenarbeit mit Russland wurde verstärkt, und im Jahr 2005 wurde mit dem Bau der Ostsee-Pipeline begonnen, die russisches Erdgas direkt nach Deutschland bringt.

Insbesondere in Deutschland wurde auch der Ausbau von Windrädern und Photovoltaikanlagen massiv subventioniert. Dieser Ausbau wurde nach dem Tsunami von Fukushima in den Turbomodus gehoben. Im Gegensatz zu den USA und auch zum Weltmarkt wurde dadurch Energie und insbesonder elektrische Energie massiv verteuert. Dieser Effekt wurde für viele Industriebetriebe durch Subventionen abgemildert.

Wind- und Sonnenenergie ohne entsprechende Speichermedien muss durch andere Energieträger ersetzt werden, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Dadurch hat die deutsche „Energiewende“  die Abhängigkeit von fossil befeuerten Erdgaskraftwerke massiv verstärkt.

Big Data

Die Entwicklung von „Big Data“ Technologien, zunächst zum Zweck der Früherkennung von Bedrohungen, war die dritte Antwort auf den Angriff am 11. September 2001.  Dabei wurden so große Datenmengen generiert, daß diese unmöglich komplett von Menschen gesichtet und analysiert werden konnten.
Diese gewaltigen Datenmengen haben große Fortschritte in den Bereichen der künstlichen Intelligenz und der Automatisierung ermöglicht und erzwungen.

Finanzen

Die globale Finanzkrise von 2007 und 2008 war zwar keine direkte Antwort auf den 11. September, aber eine Spätfolge.
Der Krieg im Irak, der im Wesentlichen darauf zurückzuführen war, dass die Vereinigten Staaten Saddam Hussein mit den Milzbrand-Angriffen gegen amerikanische Parlamentarier und Journalisten in Verbindung gebracht hatten – auch wenn dies später nicht nachgewiesen werden konnte – hat unglaubliche Kosten verursacht.
Und der anschließende Versuch, im Irak neue staatliche Institutionen zu schaffen, erwies sich als so aufwendig, daß durch die zusätzlichen schuldenfinanzierte Kriegsausgaben die US-Wirtschaft überhitzte.

Durch die damit verbundene Dollarschwemme fiel der US-Dollar auf ungekannte Tiefstände, und es bildeten sich enorme Blasen in den Immobilienmärkten der USA und in den Rohstoffmärkten der Welt.

Nachdem die Blase des Immobilienmarktes in Amerika bereits geplatzt war, und die Banken weltweit erheblich geschwächt hatte, tat der gescheiterte Angriff Russlands auf Georgien für die Ölpreise und den Wechselkurs des Euro das seinige.

Im Jahr 2008 stand der Ölpreis zeitweise bei 140 Dollar pro Fass, und ein Euro kostete 1,50 Dollar. Der Ölpreis stürzte dann innerhalb weniger Wochen auf etwa 40 Dollar ab und erreichte nie wieder den Höchststand von 2008.

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Der Euro stürzte gleichzeitig von knapp 1,60 USD auf gut 1,20 USD ab.

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Der Absturz des Euro konnte nur mittels einer unbegrenzten Kreditlinie der US-Notenbank für die Europäische Zentralbank und andere große Notenbanken aufgefangen werden.

Die Konsequenzen der Krisen für drei großen Wirtschaftsblöcke für Wachstum und Investitionen

Der kurzzeitige Infarkt des weltweiten Wirtschaftssystemes im Rahmen der Finanzkrise von 2008 führte sowohl in China als auch in den USA zu einem Überdenken der Frage, wie Lieferketten konfiguriert sein sollten, wo sich Absatzmärkte befinden sollten, und wie sich Lieferketten bzw. die geographische Lage der Absatzmärkte auf die nationale Sicherheit beider Staaten auswirken.
Im folgenden finden Sie eine kurze Diskussion dieser drei führenden Wirtschaftsblöcke auf den Infarkt von 2008.

China

China antwortete auf diese Krise mit einem unglaubliches Investitionsprogramm mit Fokus auf die Infrastruktur. Damit konnten große Teile des Hinterlandes in die industrielle Produktion mit einbezogen werden. Das bedeutete natürlich viele Millionen neue Jobs. Mehr Menschen konnten somit auch Geld verdienen. Dadurch ist der interne chinesische Markt enorm gewachsen, und die chinesische Abhängigkeit von Exportmärkten wurde reduziert.

Dieses Programm bewirkte, dass sich das Bruttoinlandsprodukt Chinas in nur 4 Jahren, von 2008 bis 2012, annähernd verdoppelt hat, wie das folgende Diagramm zeigt.

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Die jährlichen Brutto-Anlageninvestitionen in China haben sich in den 8 Jahren von 2004 bis 2012 annähernd verdreifacht. Ein Diagramm Zahlen finden Sie hier.

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Aber diese Investitionen in Infrastruktur und Produktionsanlagen war nur die Hälfte der chinesischen Antwort. Die andere Hälfte war den Entschluss, von der Produktion einfacher Billigprodukte wegzukommen, und zu einem unabhängigen Produzenten von High-Tech Produkten zu werden. Es wurden riesige Forschungszentren gebaut, Unmengen von Know-How der gekauft oder auch gestohlen – jedenfalls nach China transferiert.

In der Konsequenz hat China nicht nur seine Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten gestärkt, sondern auch einen massiven Binnenmarkt entwickelt, der die chinesische Wirtschaft deutlich resistenter gegen internationale Krisen macht.

Investitionen und Wachstum in USA

Die USA haben in der Zeit massiv in die Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen investiert. Das hat die Energiepreise in den Vereinigten Staaten stark reduziert, auch weil der Export von Flüssiggas aus den USA bis vor kurzem verboten war.

Massiv wurde aber auch in Big Data Anwendungen und künstliche Intelligenz investiert. Die Fähigkeiten von Big Data Anwendungen kommen nicht nur den dem Militär und den Geheimdienste zugute, sondern ermöglichen auch große Fortschritte im zivilen Bereich. Ich erinnere hier an autonome Fahrzeugen , aber auch an Logistik-Systeme, wie sie von Amazon entwickelt und implementiert wurden.


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Brutto Anlageinvestitionen USA

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Das Bruttoinlandsprodukt der USA liegt somit heute, dank der massiven Investitionen in den Energie- und den Technologie-Sektor, um etwa 3 Billionen Dollar über dem Wert von 2008. Die Automatisierung und die Anwendung künstlicher Intelligenz sind dort weltweit am weitesten fortgeschritten.

Deutschland und die Eurozone

In der folgenden Statistik des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone wurde der Euro zum jeweiligen Wechselkurs in Dollar umgerechnet. Der übermäßig hohe Eurokurs im Jahr 2007 bewirkt also künstliche eine Beule nach oben, und der schwächere Euro der Folgejahre verringert die Werte in Dollar für diese Jahre..

Bruttoinlandsprodukt für die Eurozone (in US-Dollar)


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Brutto Anlageinvestitionen in der Eurozone (in Euro):

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Wenn man die Werte für Deutschland aus der Eurozone herausrechnet, wird  die die desolate Lage der Eurozone im Jahr 2012 sichtbar.

Deutschland

Das Bild für Deutschland sieht etwas besser aus:
Bruttoinlandsprodukt für Deutschland (in US-Dollar):

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Auch dieses Diagramm ist durch die Schwankungen des Eurokurses verzerrt. Aber dennoch: nachhaltiges Wachstum sieht anders aus.

Brutto-Anlageninvestitionen für Deutschland (in Euro):

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Es fällt auf, dass die Entwicklung von Wachstum und Investitionen zwischen  USA und China durchaus vergleichbar war, auch wenn es wichtige Unterschiede in Details und im Momentum gibt.

Die Eurozone fiel jedoch aus diesem Rahmen heraus. Besonders bitter war die Entwicklung der Eurozone ohne Deutschland.

Neue Produkte im Jahr 2008

Im Jahr 2008, also 7 Jahre nach dem 11. September 2001, gerade als die Finanzkrise kräftig zuschlug, wurden einige neue Produkte und Projekte rund um Energie-Unabhängigkeit und Big Data auf den Markt gebracht:

USA und China

  • Iphone
  • Tesla

Deutschland und Europa

  • Clean Volkswagen Diesel
  • Ostsee Pipeline

Die USA und China haben die Herausforderungen angenommenen und mit massiven Investitionen in Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung beantwortet. Es fallen mir dabei Namen ein wie Steve Jobs, Jeff Bezos, Elon Musk, Mark Zuckerberg und Firmen wie Paypal, Apple, Amazon, Tesla, Google, Facebook, SpaceX, Blue Origin aber auch Baidu, Alibaba, Samsung …

Deutschland und Europa haben eine defensive Position eingenommen:

Die Energieabhängigkeit vom Mittleren Osten wurde gegen die Energieabhängigkeit von Russland eingetauscht.

Man hat in Europa eine neue Pipeline gebaut und versucht, Dieselmotoren zu optimieren. Vergessen hat man indes, kraftvolle Energiespeicher zu entwickel. Diese hätten die Abhängigkeit Europas von Öl und Gas als Treibstoff für Autos brechen, und gleichzeitig für Stabilität in den Stromnetzen sorgen können.

Da es für Volkswagen – wo der öffentliche Sektor Deutschlands in Gestalt der Landesregierung von Niedersachsen eine Sperrminorität hält – zu teuer war, das damit verbundene Abgasproblem wirklich anzugehen, hat man dort stattdessen die Messwerte gefälscht.

Andere Autohersteller haben sich unter großem Aufwand Schritt für Schritt in Richtung einer wirksamen Abgasreinigung bewegt. Es blieben dann aber nur noch viel zu wenig Ressourcen und Aufmerksamkeit für die Entwicklung von wirklich innovativen Lösungen übrig.

Die Eurozone

Das Diagramm für die Eurozone als ganzes legen nahe, dass die Eurozone kein attraktiver Standort für strategische Investitionen ist. Am einem zu hohen Lohnniveau kann es nicht liegen, denn Investitionen in Automatisierung, Forschung und Big Data verlangen sowieso nach den besten und teuersten Köpfen.

Und es liegt im Wesen der Automatisierung, dass manuelle Arbeit nur noch in geringem Umfang eingesetzt wird und somit deren Kosten viel Bedeutung als  Standortfaktor verlieren.

Aber es gibt einen andere Faktoren:

  • Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur
  • Vorschriften, die manche Lösungsansätze massiv erschweren oder sogar von vorneherein verbieten
  • Risiken für die politische Stabilität
Staatliche Defizite verhindern Investitionen

Die staatliche Defizit-Begrenzung in der EU ignoriert staatliche Vermögenswerte, aber Investitionen in solche Vermögenswerte erhöhen ein vorhandenes Defizit oder verringern einen Überschus. Unter diesen Bedingungen können viele Staaten die notwendigen Investitionen in Infrastruktur nicht mehr finanzieren.

Man sollte allerdings auch nicht auf den Trick vieler Politiker hereinfallen, alle Ausgaben als Investitionen zu bezeichnen, auch wenn sie keinerlei staatliche Vermögenswerte schaffen.

Politische Hindernisse für private Investitionen

Wenn aufgrund von politischen Gegebenheiten öffentliche Investitionen in Infrastruktur nicht möglich sind, und private Investitionen in öffentliche Infrastruktur nicht erwünscht und auch nicht möglich sind, dann kann nur wenig investiert werden.

Aber Rechenzentren und Zentren für Dienstleistungen mit hoher Wertschöpfung entstehen nur an den Orten, an denen …

  • die notwendigen Datenleitungen und andere Infrastruktur vorhanden sind
  • die Energieversorgung gesichert und nicht überteuert ist
  • Planung für einen längeren Zeitraum möglich ist
  • und die Lebensbedingungen für hochqualifizierte Fachleute attraktiv sind

Diese Bedingungen sind in der Eurozone offenbar nur noch wenigen Orten gegeben. Diese liegen überwiegend in Deutschland.

Wurde dieser Umstand durch Schwächen und Fehler in fast allen anderen Ländern der EU verursacht? Oder ist eine konsequente Deutschland-First-Politik dafür verantwortlich? Diese Frage soll Thema will ich in einem späteren Post untersuchen.

 

Ausblick auf Zweitausendsiebzehn

2017 oder das Ende des Westens

2017 könnte das Ende des Westens bedeuten. Es ist gut möglich, dass wir im Dezember 2017 zwei Westen haben, geführt von Angela Merkel respektive Donald Trump.

Geopolitik und Wirtschaftspolitik

Wirtschaft und Geopolitik sind heute stark verwoben. Die Wirtschaft ist gerade in der Europäischen Union mittlerweile enorm politisiert. Insbesondere Deutschland nutzt seine wirtschaftliche Macht und seine finanzielle Stärke, um Europa politisch zu dominieren.

Informelle Macht-Strukturen in der EU

Der Rat der europäischen Staats- und Regierungschefs war ein wichtiges Entscheidungsgremium, ebenso die verschiedenen Ministerräte. Wir erleben aber immer öfter, dass die Berliner Regierung versucht, Entscheidungen vor den Ratssitzungen in kleinem Kreis festzuschreiben. Alle, die diesmal nicht eingeladen wurden, dürfen dann nur noch brav nicken.

Das Dublin-Abkommen wurde in einer Nacht von der deutschen Kanzlerin und dem damaligen österreichischen Kanzler in den Mülleimer befördert.

Das Schengen-Abkommen wurde in der Folge durch einseitige Erklärungen der Berliner und der Wiener Regierungen, dass man auf Dauer wieder Grenzkontrollen durchführen werde, zertrümmert. (Im 20. Jahrhundert hat sich die Praxis durchgesetzt, dass man Kriege nicht mehr erklärt, sondern führt. Im 21. Jahrhundert  wird diese Praxis insofern ausgeweitet, dass man Verträge nicht mehr kündigt, sondern schlicht zertrampelt.)

Auf diese Weise haben Merkel und ihre Kollegen die Institutionen der EU ihrer Substanz beraubt und  zur Fassade degradiert. Eine faire Ausbalancierung der Macht und demokratischen Kontrolle in Europa werden nur noch vorspiegelt.

Das „Genug“ der Briten

Nun hat die Bevölkerung des Vereinigten Königreiches entschieden, die EU zu verlassen. Die Menschen dort wollen sich politisch und ökonomisch nicht mehr unter Druck setzen lassen, und sie wollen das eigene Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Die Berliner Antwort: Man weigert sich, mit der Britischen Regierung überhaupt noch zu reden. Und, als ob das nicht genug wäre: man versucht auch noch, 26 weiteren in der EU verbleibenden  Regierungen das Gespräch mit der britischen Regierung zu verbieten.

Es gib nur eine einzige Parole, die alle 27 vor sich her stottern: „Den Menschen in England muss es nach Verlassen der EU schlechter gehen, als es ihnen innerhalb der EU gegangen wäre!“ Keiner sieht, dass dieses Verhalten in sich selbst schon ein Grund ist, die EU so schnell wie möglich zu verlassen.

Donald Trump

In der Zwischenzeit haben die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Gott und die Welt haben ihr Entsetzen über die Wahl von Donald Trump geäußert. Unser künftiger Präsident Steinmeier hatte einen solchen Wahlausgang für völlig unmöglich gehalten. Er er glaubte, ohne negative Folgen den Kandidaten Trump als Hassprediger beschimpfen zu können und sollen.

In Wirklichkeit wird sich durch die Wahl von Trump die Außenpolitik der USA in der Substanz nur graduell ändern. Trump wird den geordneten Rückzug Obamas aus dem Mittleren Osten und aus Europa (zum Leidwesen John McCains) fortsetzen.

Es werden sich Nuancen ändern. Trump wird sich Israel gegenüber nicht so feindselig verhalten wie Obama. Er wird voraussichtlich auch überdenken, ob die USA wirklich den PKK-Ableger YPG mit Waffen und Ausbildern unterstützen sollten. Trump  wird auch erwägen, Syrien im Einvernehmen mit dem NATO-Partner Türkei und mit Putin zu stabilisieren.

In der Auseinandersetzung um die Ukraine und die russische Bedrohung Osteuropas war Obama eher ein Getriebener, und bei Trump wird das nicht viel anders sein.

Innenpolitisch wird sich in USA manches ändern, aber das soll hier nicht meine Sorge sein. Allerdings werde ich ein Auge die Diskussion um die Neugestaltung der Unternehmensbesteuerung haben, denn diese kann das komplette System des Welthandels und das weltweite Finanzsystem stark beeinflussen.

Nato und EU

Eine konstruktive Reaktion auf das Brexit-Votum wäre gewesen, die Nato als Plattform für eine gemeinsame Sicherheitspolitk des Westens zu stärken.

Wir haben jedoch das Gegenteil erlebt: Ein verhaltener Jubel aus Berlin: Endlich können die Briten ein militärisches Kommandozentrum auf EU-Ebene nicht mehr blockieren.

Dies zeigt, dass es mit einer Westorientierung in Berlin nicht mehr weit her ist.

Wahl in Frankreich

Es wird nach dem Abgang Hollandes mit Sicherheit eine neue Ausbalancierung der französischen Außenpolitik geben, unabhängig von der Entscheidung, wer Hollande nachfolgen wird.

Frankreich wird nicht mehr bedingungslos dem Kurs Merkels gegenüber Russland folgen. Und Frankreich wird sich – wenn Merkel ihre Position zu Theresa May nicht ändert – in der Sicherheitspolitik zwischen einer Kooperation mit Berlin und einer Kooperation mit London und Washington entscheiden müssen.

Wenn  Fillon oder Macron Präsident werden würde, könnte dieser Anpassungsprozess in die Länge gezogen werden, so dass der Wahlkampf in  Deutschland nicht gestört wird.

Aber ein Sieg von Marine Le Pen würde Merkel unter Zugzwang setzen. Ihr Versuch, die Probleme Europas auf die Zeit nach der Bundestagswahl zu verschieben, wäre gescheitert. Sie müsste schnell Farbe bekennen, ob Sie

  • mit Le Pen zusammenarbeiten wollte,
  • oder ein Redeverbot wie mit Theresa May durchsetzen wollte
  • oder gleich den Ausschluss Frankreichs aus der EU betreiben wollte

Wahl in Deutschland

Es ist nicht so klar wie manche denken, dass Merkel eine vierte Amtszeit als Kanzlerin gewinnen wird. Eine rechtspopulistische Regierung werden wir hier nicht erleben, aber eine linkspopulistische ist durchaus im Bereich des Möglichen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel könnte sich an das Erfolgsrezept Schröders aus dem Jahr 2002 erinnern: Merkel in der Außenpolitik rechts überholen und einen „deutschen Weg“ ausrufen.

Mit einem US-Präsidenten Trump wird Antiamerikanismus in Deutschland zum guten Ton gehören. Selbst Merkel wird sich dazu bekennen.

Aber es wird Merkel auch nichts anderes übrig bleiben, als die Verlegung von US-Truppen nach Polen zu akzeptieren und den Bau des Raketenschutzschildes in Osteuropa zumindest zu tolerieren. Gabriel wird ihr deshalb vorgespielten Antiamerikanismus vorwerfen.

Insbesondere die Linkspartei wird versuchen, Stimmen bei der AFD einzusammeln. Hier können Lafontaine und Wagenknecht die starke Ablehnung gegen Merkel unter den AFD-Wählern nutzen und argumentieren: „Eine Stimme für die AFD ist eine Stimme für den Verbleib Merkels im Kanzleramt.“ Also: Wer „Merkel muss weg“ ruft, muss links wählen.

Das Ende des Westens

Nachdem mit der Wahl Trumps als Präsident der USA Antiamerikanismus in Deutschland zum Teil der Staatsräson zu werden scheint, wird es in Zukunft zwei verschiedene „Westen“ geben: Einer unter der Flagge der EU, personifiziert durch Merkel. Dieser Merkelsche Westen wird je nach Ausgang der Wahlen in Frankreich entweder am Rhein, oder an der Westküste des europäischen Kontinents enden. Und es wird einen anglo-amerikanischen Westen geben, der sich um die USA und Großbritannien schart.

Aber zwei Westen ist dasselbe wie kein Westen. Die globalen Institutionen der Nachkriegsordnung (UN, EU, NATO, IWF) wurden bereits ausgehöhlt und  geschwächt. Die Institutionen der EU werden obendrein mittels eines informelles Netzwerks gelenkt. (Wenn die EU-Kommission wichtige Entscheidungen trifft, ohne vorher in Berlin anzurufen, ist das Kanzleramt beleidigt.)

Und wenn Gabriel gewinnt?

Wenn Sigmar Gabriel die Möglichkeit sieht, wird er versuchen selbst Kanzler in Berlin zu werden. Das kann ihm gelingen, wenn er einen Tsumani des Antiamerikanismus reitet. Das Ende des Westens ist dann definitiv gekommen.

Man könnte nun meinen, mit Gabriel könnte es – analog zum Merkel-Westen -einen EU-bestimmten Westen geben.

Aber Gabriel hat nicht die Statur, die notwendig ist um Griechenland und Finnland sowie gleichzeitig Portugal und Ungarn unter einen Hut zu bringen.

Nach seinem Wahlsieg würde es also nur  den einen Westen geben, den atlantischen Westen. Die EU unter Gabriel wäre nicht mehr Teil des Westens.

 

 

 

Nach der Brexit Entscheidung

Nach der Brexit-Entscheidung stellt sich nun die Frage, wie es jetzt weitergehen soll.

Auf britischer Seite sind die nächsten Schritte vorgezeichnet. Die Briten müssen sich erstmal neu sortieren. Es steht die Debatte an, was man denn positiv will in Bezug auf die EU, nachdem man entschieden hat, aus der EU auszutreten. Diese Debatte wird einen neuen Premier-Minister und möglicherweise auch einen neuen Oppositionsführer hervorbringen. Es ist gut möglich, daß die neue Regierung in London dann zu dem Schluß kommt, daß sie die Wähler um eine neue Legitimation für ihr weiteres Vorgehen bitten muß.

Reaktion der EU

Die Seite der EU war sicherlich nicht so überrascht und geschockt wie sie vorgibt, denn die Umfragen zu dem Volksentscheid waren über Wochen nicht eindeutig, es war immer eine klare, wenn auch nicht die einzige Möglichkeit, daß die Briten sich gegen eine weitere Mitgliedschaft in der EU entscheiden könnten. Juncker, Merkel, Steinmeier, Hollande, Tusk hatten also alle Zeit der Welt, sich auch auf diesen Fall vorzubereiten, und haben es auch getan.

Zwei Optionen der EU

Sie haben die Wahl, eine Bestrafung der Briten zu versuchen und, wie von manchen angekündigt, alles zu tun um ein Scheitern Großbritanniens herbeizuführen, bis hin zu einem Angriff auf die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs und einem neuen Anfachen des Konfliktes in Nordirland.

Oder sie können sich die Mühe machen, den Vertrag von Lissabon erneut zu lesen und dann feststellen, daß die Briten keine Straftat begangen haben und somit auch nicht bestraft werden müssen. Dann könnten sie sich vielleicht an einer konstruktiven Debatte beteiligen, wie das Verhältnis zum Vereinigten Königreich auch ohne eine EU-Mitgliedschaft positiv gestaltet werden kann.

Jedenfalls sollten sich die Herren Juncker, Schulz, Steinmeier, Gabriel und andere daran erinnern, daß der Vertrag von Lissabon zwar eine mögliche Austrittserklärung vorsieht, daß diese jedoch nur von den Regierung des austretenden Landes abgegeben werden kann, zu einem von dieser bestimmten Zeitpunkt. Ein Ausschluss aus der EU ist nicht möglich, auch nicht nach einem Volksentscheid wie kürzlich in Großbritannien. Und sicherlich können weder Schulz noch Juncker, noch Steinmeier, noch Gabriel, noch Merkel diese Austrittserklärung für das Vereinigte Königreich abgeben.

Die Fragen, die für die EU zu klären sind

Abgesehen von Diskussionen über die zukünftige Rolle der Londoner City für EU und Eurozone ergeben sich noch ganz andere Fragen, über die im Kanzleramt sicherlich nachgedacht wird:

  • Was wird aus dem Ärmelkanal Tunnel
  • Was wird aus Vodafone
  • Was wird aus dem europäischen Stromnetz
  • Kann die EU noch auf britisches Erdgas zählen, sollte aus dem einen oder anderen Grund nicht genug Gas aus Rußland kommen?
  • Wie verändern sich die Machtverhältnisse innerhalb der EU?
  • Wer kann neue Sperrminoritäten bilden, wenn die Stimmrechte Großbritanniens weggefallen sind?
  • Wie verändert sich das Verhältnis zwischen EU und Nato?
  • Welchen Einfluss werden EU, Großbritannien und Deutschland zukünftig jeweils bei IWF, Weltbank und UN haben?

EU setzt auf Konfrontation

Die EU scheint sich für den Weg der Konfrontation entschieden zu haben. In diesem Zusammenhang erscheint es mir sehr unwahrscheinlich zu sein, daß die Steinmeiers und Gabriels ohne Absprache mit Merkel und gegen deren Willen agieren.

Woher kommt nun die Forderung, ein Land zu bestrafen, weil es angekündigt hat, ein im EU-Vertrag verbrieftes Recht wahrzunehmen, und zu versuchen, dieses Land sofort und in rechtswidriger Weise aus den Entscheidungsprozessen der EU hinauszudrängen?

Die Begründung, man benötige Klarheit um die Finanzmärkte zu beruhigen, kann nur vorgeschoben sein. Im Moment könnte nur eins die Finanzmärkte merklich beruhigen: Klare Signale von allen Seiten, daß man entschlossen ist, konstruktiv und bedachtsam mit einer schwierigen Situation umzugehen. Aus Brüssel kommt das Gegenteil, während in Berlin die Worte aus dem Kanzleramt im Widerspruch zu den Aktionen des Aussenministers stehen.

Dieses Bild bewirkt sicherlich keine Deeskalation der aktuellen Krise. Im Gegenteil, eine wirksamere Strategie zur weiteren Verunsicherung der Wirtschafts- und Finanzwelt ist kaum denkbar.

Merkels Zauberlehrlinge haben übernommen

Steinmeier, Gabriel, Schulz, Juncker und Hollande hatten mehrmals Gelegenheit zu beobachten, wie Merkel von Zeit zu Zeit Krisen anheizt, um ihre Ziele durchzusetzen. Sie wollen es ihr nun gleichtun, und die Brexit-Krise nutzen, um ihre eigene Agenda durchzusetzen.

Merkel sieht ihnen beim anheizen der Krise gelassen zu. Sie lässt sie gewähren, distanziert sich aber leise mit mahnenden Worten. Das ist klug, denn so suggeriert sie Uneinigkeit und eingeschränkte Handlungsfähigkeit in Berlin. Damit verstärkt sie das Gefühl der Unsicherheit, das die Finanzmärkte nach der Brexit-Entscheidung in den Krisenmodus treibt, und zu neuen Zinsaufschlägen für die Euro-Staaten am Mittelmeer führt. Gleichzeitig kann sie auf diese Weise die Verantwortung für die kommende Zuspitzung anderen zuschieben.

Berlin hat einen Plan

Im Kanzleramt in Berlin sind sicherlich schon seit einigen Monaten einige hundert der hellsten Köpfe damit beschäftigt über diese und weitere Fragen nachzudenken, und nach Aussage von Wolfgang Schäuble hatte die Bundesregierung vor der Brexit-Abstimmung einen Plan in der Schublade für den Fall, dass sich die Briten gegen die EU entscheiden sollten. Man darf getrost davon ausgehen, dass wir im Moment Zeuge einer frühen Phase der Ausführung dieses Planes sein dürfen.

Warum jedoch lässt Merkel die Zauberlehrlinge gewähren, wo sie doch weiß, daß diese darauf aus sind, sich einen Teil ihrer Macht anzueignen?

Die Antwort ist einfach: Sie weiß, daß es sich dabei nur um Zauberlehrlinge handelt, die in Wirklichkeit nicht wissen was sie tun. Sie haben zwar gesehen, daß Merkel zuweilen Krisen anheizt und dann nutzt um ihre Machtansprüche durchzusetzen. Aber den zweiten Teil ihrer Technik, der nicht so sichtbar ist, den haben sie übersehen: Nämlich klar definierte Ziele und einen durchdachten Aktionsplan zu haben, der im richtigen Moment Schlag auf Schlag umgesetzt werden kann.

Die Rolle der Zauberlehrlinge

Ihren Zauberlehrlingen fehlen klare Ziele, und ein klarer Plan. Sie sind jedoch zu Merkel sehr freundlich, entzünden ein Feuer und bringen die Küche zum Glühen. Merkel wartet dann, bis die Küche brennt und die Zauberlehrlinge nicht mehr weiterwissen. Dann ist ihre Zeit gekommen, die Welt zu retten und dafür ihren Preis zu verlangen.

Merkels Preis

Merkels Preis wird sein, dass die verbleibenden EU-Staaten die Vorherrschaft Berlins, und ein faktisches Vetorecht Berlins in allen Fragen anerkennen. Die von Merkels Zauberlehrlingen erzeugte Panik an den Finanzmärkten wird die Euroländer vor genau diese Alternative stellen: Unterwerfung oder Ausscheiden.

Für die Länder Osteuropas hat ein anderer Aspekt der Konfrontation zwischen den Mächtigen der EU und Großbritannien eine wichtige Konsequenz: Die NATO wird noch mehr zu einer bloßen Hülse. Die wichtigsten europäischen Mitglieder der NATO werden zerstritten und unfähig zum gemeinsamen Handeln sein, und die Vereinigten Staaten haben keine Möglichkeit, ohne gemeinsame logistische Unterstützung durch Deutschnd und Großbritannien in Osteuropa eine nennenswerte militärische Rolle zu spielen. Somit werden die osteuropäischen Staaten gezwungen sein, sich zu entscheiden, ob sie sich Putin oder Merkel unterwerfen wollen.

Griechenland und das Mittelmeer-Gebiet

Nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreiches können Länder eine Sperr-Minortität bilden, wenn sie zusammen knapp 200 Millionen Einwohner haben. Portugal, Spanien, Frankreich und Griechenland kommen zusammen auf rund 195 Millionen. Sie benötigen also nur noch ein weiteres relativ kleines Land wie Kroatien, Irland oder Österreich als Bündnispartner, um Beschlüsse in den Ministerräten der EU blockieren zu können.

Daher wird es für Merkel attraktiv sein, Griechenland aus der Eurozone und auch aus der EU herauszudrängen. Die notwendigen Vorbereitungen sind mittlerweile getroffen: Grenzen werden wieder kontrolliert und können – inklusive des Brennerpasses – kurzfristig geschlossen werden. Devisenkontrollen gelten für Griechenland sowieso, der Apparat diese durchzusetzen ist vorhanden und erprobt.

Für Merkel hat dies den weiteren Vorteil, daß sie in diesem Fall die Verantwortung für die sowieso notwendige Abschreibung der Schulden Griechenlands gegenüber Deutschland und den Institutionen der Eurozone der Brexit-Entscheidung zuweisen könnte. Damit wäre ihr größtes Dilemma gelöst: Sie kann innenpolitisch weder einen vom IWF geforderten Schuldenschnitt für Griechenland rechtfertigen, noch eine Fortführung der sogenannten Rettungskredite für Griechenland ohne Beteiligung des IWF sicher im Bundestag durchsetzen.

Wenn dann Zypern und Italien, eventuell auch Spanien, Portugal und Malta mit Griechenland gehen würden, wäre dies für Merkel kein wirklich großes Problem. Schuld wären natürlich die Briten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flüchtlingskrise – Merkels Quadratur des Kreises

Flüchtlingskrise definiert griechische Nordgrenze als Südgrenze des Merkel-Reiches

Langsam hat Merkel die Kontrolle in der Flüchtlingskrise zurückgewonnen. Die Grenzen werden wieder kontrolliert, und nur noch die Flüchtlinge werden durchgelassen, die man haben will. Allerdings findet die Kontrolle  nicht innerhalb Deutschlands oder der EU statt, und rechtsstaatliche Standards sind nicht ersichtlich.

Die Kontrolle findet nämlich wie im EU-Vertrag vorgesehen an der Außengrenze des Schengen-Gebietes statt, nämlich an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Allerdings fallen die Entscheidungen auf der mazedonischen Seite, und damit außerhalb des Gebietes in dem EU-Recht gilt. Dabei fällt in der allgemeinen Aufregung kaum auf, dass nach diesem neuen Reglement nicht Menschen an der Einreise in das Schengen-Gebiet (in diesem Fall Griechenland) sondern wie weiland in der DDR an der Ausreise aus dem Schengen-Gebiet gehindert werden.

Informelle Machtstrukturen ohne parlamentarische oder gerichtliche Kontrolle werden etabliert

Und nicht die griechische Regierung entscheidet, wer Griechenland verlassen darf, sondern eine nicht näher beschriebene Frontex-Mission die auf dem Balkan-Gipfel im Oktober beschlossen wurde.

Letztlich hat Griechenland unter der Drohung, aus dem Schengen-Gebiet ausgeschlossen zu werden, zugestimmt dass Frontex in Zusammenarbeit mit der Mazedonischen Grenzpolizei entscheiden darf, wer Griechenland Richtung Mazedonien verlassen darf, und wer in Griechenland bleiben muss. Syrer, Afghanen und Iraker dürfen derzeit durch, Griechen vermutlich auch.

Aber wie entschieden wird, welcher ehemalige Einwohner von Damaskus Syrer ist, und wer Palästinenser ist, oder welche Paschtunen Afghani sind, und welche Paschtunen Pakistani sind, das bleibt im Dunkeln. Es gibt auch kein Rechtsmittel dagegen, wenn auf diese Weise ein von Boko Haram verfolgter Afrikaner daran gehindert wird, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen

Deutlich wird jedoch, dass hier an den Institutionen der EU vorbei eine informelle Entscheidungsstruktur etabliert wurde, deren Fäden allem Anschein nach im Berliner Kanzleramt gezogen werden.

So darf man also sagen: Merkel hat die südliche Grenze Ihres Reiches als die Nordgrenze Griechenlands definiert und eine „zivile Mission“ hat mit Unterstützung des Frontex-Systemes die Kontrolle über diese Grenze übernommen. Gleichzeitig wurde jede rechtsstaatliche Kontrolle über die Anwendung des Asylrechts im Merkel-Reich ausgehebelt.

Das alles hat Sie geschafft, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Sie hat sich als die „Große Gütige“ dargestellt, und Victor Orban sowie die Griechen, Mazedonier, Kroaten und Slowenen die Drecksarbeit machen lassen.

Das Schengen-System ist für lange Zeit nicht mehr funktionsfähig 

Gleichzeitig hat Merkel zugelassen, dass durch die Flüchtlingskrise eine unbekannte Anzahl unbekannter Personen in das Schengen-Gebiet einreisen konnten. Dies führt zwangsläufig dazu, dass Grenzkontrollen im Schengen-Raum auf lange Sicht wieder zur Normalität werden wird, und dass ein engmaschiges Netz der Massen-Überwachung über Europa gespannt werden wird, um eventuelle Illegale aufzuspüren. Da man nicht weiß, wie viele gekommen sind, ohne sich dem Prozess der Erkennungsdienstlichen Behandlung auszusetzen, gibt es auch keinen Punkt, an dem man sagen könnte: „Jetzt sind alle gefunden“.

Neue Grenzkontrollen als Voraussetzung für die Zerschlagung des Euro

Dadurch ergibt sich die Legitimation, ein System der Grenzkontrollen an den Landgrenzen, den Flughäfen und in den Zügen neu zu etablieren.

Dieses System der Barrieren gegen die Reisefreiheit der Menschen wird aber auch gebraucht, wenn man einzelne Länder aus dem Euro kicken will, bzw. den Euro komplett zum Platzen bringen will. Man muss nur darüber nachdenken, was die rationale Reaktion der Menschen in Griechenland auf einen Ausschluss aus dem Eurosystem und dem damit verbundenen Zusammenbruch der gesamten wirtschaftlichen Aktivität inklusive aller öffentlichen Dienstleistungen wäre: Die Menschen würden in den Norden Europas kommen, versuchen dort einen Job zu bekommen. Viele würden hier Sozialleistungen beantragen, und viele würden sich gar nicht registrieren und schwarz arbeiten. Das würde in Deutschland zu einer Revolution von Rechts führen.

Neu eskalierende Eurokrise als offizieller Gründungsakt des Merkel-Reiches

Wir dürfen also getrost erwarten, dass entsprechend der bekannten Methode Merkels nach der Flüchtlingskrise und der Etablierung des neuen Systems der Barrieren gegen Migration die Eurokrise wieder hochkocht. Bei Griechenland ist die Bruchstelle ja bereits eingebaut, da die Einbindung des IWF noch nicht geregelt ist, und die angestrebten Privatisierungserlöse auch sehr fraglich sind. Aber man könnte dann auch die ganze Reihe der Dominosteine umwerfen und die mediterranen Länder „mit großem Bedauern“ aus dem Euro fallen lassen. Die Grenze des dann verbleibenden Restes der Eurozone könnte die Westgrenze des Merkel-Reiches markieren.

Die Nordgrenze des Merkel-Reiches wäre die Ostsee, und der östliche Nachbar wäre Putin.