Euro in Gefahr. Ein großes Risiko für die Reise-Industrie
Für Reisende in Europa ist der Euro sehr wichtig, weil er das Reisen vereinfacht. Für Reiseveranstalter ist der Euro noch wichtiger, weil er bei innereuropäichem Tourismus das Wechelkursrisiko ausschließt, uind auch bei Reisen in den Dollarraum das Risiko verringert. Eine große Währung wie der Euro ist naturgemäß in den Kursschwankungen weniger nervös als eine kleinere Währung.
Auch für den in Zukunft immer wichtiger werdenden Incoming-Tourismus wäre eine Abspaltung Deutschlands aus dem Euro eine schwere Belastung, weil ein nur schwer kalkulierbares Währungsrisiko Investitionen in diesen Bereich enorm erschweren würde.
Ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro wäre also für die Reiseindustrie extrem negativ. Und doch werden Historiker die Finanzkrise der Jahre 2008/2009 möglicherweise nicht als Sub-Prime-Krise sondern als Euro-Krise bezeichnen. Warum?
Der Euro hatte den Anspruch erhoben, in Konkurrenz zum US-Dollar als Welt-Reserve-Währung zu fungieren. Dennoch hatten wir im September/Oktober die Situation, daß der Euro nach einem Fall in wenigen Wochen von knapp 1,60 Dollar je Euro auf gut 1,20 Dollar je Euro fiel. Nur durch eine unbegrenzte Kreditlinie der der US-Notenbank für die EZB konnte der Euro vorläufig in einem Bereich zwischen 1,25 und 1,30 Dollar stabilisiert werden. Ein solcher Vorgang ist für eine Welt-Reserve-Währung völlig undenkbar.
Was war geschehen? Offensichtlich waren viele spekulative Öl-Kontrakte zwar in Dollar abgeschlossen worden, aber mit Euro als Sicherheit unterlegt worden. Als der Ölpreis innerhalb weniger Wochen um ein Drittel einbrach, worden damit riesige Summen in Dollar fällig, für die Euros in Dollars umgetauscht werden mußten. Dies hat wiederum dazu geführt, daß der Euro einbrach. Das setzte eine Spirale in Gang, da durch den plötzlichen Einbruch des Euro erneut große Summen für verlorene Wetten auf den Euro-Kurs in Dollar bezahlt werden mußten.
Normalerweise ist es die Aufgabe einer Zentralbank, zumindest für eine Währung die den Anspruch einer Welt-Reserve-Währung erhabt, solche Risiken früh aufzuspüren und zu neutralisieren. Die EZB war dazu nicht in der Lage, weil sie die erforderlichen Informationen nicht hatte. Die sind nämlich bei den nationalen Bankenaufsichten liegeggeblieben, wie zum Beispiel bei der Bafin. Diese warem sich der Risiken offensichtlich nicht bewußt, und es war ihnen anscheinend wichtiger, die nationalen Nebenzentralbanken, wie z.B. die KFW und die deutschen Landesbanken, zu beschützen. Diese waren nach der Einführung des Euro zur Zeit der Regierung Schröder so umgebaut worden, daß der Einfluß der EZB auf die nationale Finanzpolitik in Deutschland reduziert werden konnte. Die Regierung Merkel hat mit dem neu eingerichtete Sozialamt für bedürftige Banken in Deutschland (SoFFin) eine weitere, und mit massiven Geldmitteln ausgestattete, Nebennotenbank gegründet.
Diesen Herbst hatte sich nun aber gezeigt, daß der Euro nur dann als Welt-Reserve-Währung gemanagt werden kann, wenn die EZB die dazu notwendigen Instrumente bekommt, d.h. also vor allem, daß die Bankenaufsichten nicht mehr den nationalen Regierungen, sondern der EZB zugeordnet werden. Nur so kann eine Wiederholung des Euro-Debakels vom Herbst 2008 verhindert werden.
Die Berliner Regierung widersetzt sich aber vehemment allen Anstrengungen, auf die Krise des Euro eine europäische Antwort zu finden.
- Keine europäische Finanzaufsicht.
- Kein europäisches Banken-Rettungsprogramm.
- Kein europäisches Konjunkturprogramm.
Da man nicht annehmen sollte, daß es in Berlin keinerlei finanzpolitischen Sachverstand gibt, wirft dies die Frage auf, ob sich die Bundesregierung anschickt, die Finanzkrise zu nutzen, um aus dem Euro auszuscheren.
Aber warum sollte sie das tun?
Man sollte sich erinnern: der Euro war in Deutschland nie populär. Aber er war Teil des Preises, den die Regierung Kohl Frankreich für die Zustimmung zur deutschen “Wiedervereinigung” versprochen hatte. Durch die Eingliederung der ostdeutschen Länder in die BRD wurde Deutschland zur mit Abstand größten Volkswirtschaft in Europa. Unter diesen Vorzeichen hätte die Bundesbank Europa finanzpolitisch dominieren können. Der Deal zwischen Kohl und Mitterrand war also: Deutschland kann die Wiedervereinigung haben. Dafür teilt es aber die finanzpolitsche Macht der Bundesbank mit Frankreich und anderen EU-Staaten.
Das hat unseren Neo-Preußen nie geschmeckt, aber sie mußten es akzeptieren. Meine Befürchtung ist, daß die advair diskus generic Neo-Preußen in Deutschland nun meinen, eine Gelegenheit zu haben, dieses Zugeständnis rückgängig zu machen.
Um diesen Verdacht nachhaltig zu entkräften, wäre es notwendig daß
- Die Berliner Regierung einer bei der EZB in Frankfurt angesiedelten Finanzaufsicht zustimmt.
- Die Geschäfte von Landesbanken und KFW voll transparent werden, mit denselben Berichtspflichten wie sie für öffentlich gehandelte Aktiengesellschaften bestehen.
- Die Regierung Merkel ausdrücklich den Grundsatz akzeptiert, daß eine gemeinsame Währung auch eine gemeinsame Verantwortung für alle im Geltungsbereich dieser Währung wirtschaftenden Menschen und Firmen bedeutet.
Hilfreich wäre auch, wenn Finanzminister Steinbrück und Innenminister Schäuble erklären würden, daß die Relevanz von Gesetzen eines Staates nicht von der Größe und Macht des betreffende Staates abhängt, daß die Bundesregierung also auch Gesetze und Gerichtsentscheide kleinerer Länder wie Luxemburgs, Tschechiens, Polens, Bulgariens, letztlich auch der Schweiz, Lichtensteins und der Isle of Man zu achten bereit ist.


Noch ein Nachtrag:
Der Antritt der Regierung Merkel, oder der Abgang Schröders, bewirkte einen fast explosiven Aufschwung in der Kunjunktur, und das, obwohl dieser Wechsel mit einer massiven Steuererhöung kam. Warum? Schröder hatte das Vertrauen der wirtschaftlichen Akteure verloren. Deshalb hätte unter Schröder selbst ein negativer Steuersatz für Firmengewinne nicht zu einem nachhaltigen Investitionsschub geführt..(Diese Ankündigung hätte ihm niemand geglaubt)
Frau Merkel würde gut daran tun, das Vertrauen der EU-Partner und Finanzmärkte in sie nicht durch die Verweigerung eines gemeinsamen Krisenmanagements leichtfertig aufs Spiel zu setzen.