Euro in Gefahr. Ein großes Risiko für die Reise-Industrie

Für Reisende in Europa ist der Euro sehr wichtig, weil er das Reisen vereinfacht. Für Reiseveranstalter ist der Euro noch wichtiger, weil er bei innereuropäichem Tourismus das Wechelkursrisiko ausschließt, uind auch bei Reisen in den Dollarraum das Risiko verringert. Eine große Währung wie der Euro ist naturgemäß in den Kursschwankungen weniger nervös als eine kleinere Währung.

Auch für den in Zukunft immer wichtiger werdenden Incoming-Tourismus wäre eine Abspaltung Deutschlands aus dem Euro eine schwere Belastung, weil ein nur schwer kalkulierbares Währungsrisiko Investitionen in diesen Bereich enorm erschweren würde.

Ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro wäre also für die Reiseindustrie extrem negativ. Und doch werden Historiker die Finanzkrise der Jahre 2008/2009 möglicherweise nicht als Sub-Prime-Krise sondern als Euro-Krise bezeichnen. Warum?

Der Euro hatte den Anspruch erhoben, in Konkurrenz zum US-Dollar als Welt-Reserve-Währung zu fungieren. Dennoch hatten wir im September/Oktober die Situation, daß der Euro nach einem Fall in wenigen Wochen von knapp 1,60 Dollar je Euro auf gut 1,20 Dollar je Euro fiel. Nur durch eine unbegrenzte Kreditlinie der der US-Notenbank für die EZB konnte der Euro vorläufig in einem Bereich zwischen 1,25 und 1,30 Dollar stabilisiert werden. Ein solcher Vorgang ist für eine Welt-Reserve-Währung völlig undenkbar.

Was war geschehen? Offensichtlich waren viele spekulative Öl-Kontrakte zwar in Dollar abgeschlossen worden, aber mit Euro als Sicherheit unterlegt worden. Als der Ölpreis innerhalb weniger Wochen um ein Drittel einbrach, worden damit riesige Summen in Dollar fällig, für die Euros in Dollars umgetauscht werden mußten. Dies hat wiederum dazu geführt, daß der Euro einbrach. Das setzte eine Spirale in Gang, da durch den plötzlichen Einbruch des Euro erneut große Summen für verlorene Wetten auf den Euro-Kurs in Dollar bezahlt werden mußten.

Normalerweise ist es die Aufgabe einer Zentralbank, zumindest für eine Währung die den Anspruch einer Welt-Reserve-Währung erhabt, solche Risiken früh aufzuspüren und zu neutralisieren. Die EZB war dazu nicht in der Lage, weil sie die erforderlichen Informationen nicht hatte. Die sind nämlich bei den nationalen Bankenaufsichten liegeggeblieben, wie zum Beispiel bei der Bafin. Diese warem sich der Risiken offensichtlich nicht bewußt, und es war ihnen anscheinend wichtiger, die nationalen Nebenzentralbanken, wie z.B. die KFW und die deutschen Landesbanken, zu beschützen. Diese waren nach der Einführung des Euro zur Zeit der Regierung Schröder so umgebaut worden, daß der Einfluß der EZB auf die nationale Finanzpolitik in Deutschland reduziert werden konnte. Die Regierung Merkel hat mit dem neu eingerichtete Sozialamt für bedürftige Banken in Deutschland (SoFFin) eine weitere, und mit massiven Geldmitteln ausgestattete, Nebennotenbank gegründet.

Diesen Herbst hatte sich nun aber gezeigt, daß der Euro nur dann als Welt-Reserve-Währung gemanagt werden kann, wenn die EZB die dazu notwendigen Instrumente bekommt, d.h. also vor allem, daß die Bankenaufsichten nicht mehr den nationalen Regierungen, sondern der EZB zugeordnet werden. Nur so kann eine Wiederholung des Euro-Debakels vom Herbst 2008 verhindert werden.

Die Berliner Regierung widersetzt sich aber vehemment allen Anstrengungen, auf die Krise des Euro eine europäische Antwort zu finden.

  • Keine europäische Finanzaufsicht.
  • Kein europäisches Banken-Rettungsprogramm.
  • Kein europäisches Konjunkturprogramm.

Da man nicht annehmen sollte, daß es in Berlin keinerlei finanzpolitischen Sachverstand gibt, wirft dies die Frage auf, ob sich die Bundesregierung anschickt, die Finanzkrise zu nutzen, um aus dem Euro auszuscheren.
Aber warum sollte sie das tun?

Man sollte sich erinnern: der Euro war in Deutschland nie populär. Aber er war Teil des Preises, den die Regierung Kohl Frankreich für die Zustimmung zur deutschen „Wiedervereinigung“ versprochen hatte. Durch die Eingliederung der ostdeutschen Länder in die BRD wurde Deutschland zur mit Abstand größten Volkswirtschaft in Europa. Unter diesen Vorzeichen hätte die Bundesbank Europa finanzpolitisch dominieren können. Der Deal zwischen Kohl und Mitterrand war also: Deutschland kann die Wiedervereinigung haben. Dafür teilt es aber die finanzpolitsche Macht der Bundesbank mit Frankreich und anderen EU-Staaten.
Das hat unseren Neo-Preußen nie geschmeckt, aber sie mußten es akzeptieren. Meine Befürchtung ist, daß die advair diskus generic Neo-Preußen in Deutschland nun meinen, eine Gelegenheit zu haben, dieses Zugeständnis rückgängig zu machen.

Um diesen Verdacht nachhaltig zu entkräften, wäre es notwendig daß

  1. Die Berliner Regierung einer bei der EZB in Frankfurt angesiedelten Finanzaufsicht zustimmt.
  2. Die Geschäfte von Landesbanken und KFW voll transparent werden, mit denselben Berichtspflichten wie sie für öffentlich gehandelte Aktiengesellschaften bestehen.
  3. Die Regierung Merkel ausdrücklich den Grundsatz akzeptiert, daß eine gemeinsame Währung auch eine gemeinsame Verantwortung für alle im Geltungsbereich dieser Währung wirtschaftenden Menschen und Firmen bedeutet.

Hilfreich wäre auch, wenn Finanzminister Steinbrück und Innenminister Schäuble erklären würden, daß die Relevanz von Gesetzen eines Staates nicht von der Größe und Macht des betreffende Staates abhängt, daß die Bundesregierung also auch Gesetze und Gerichtsentscheide kleinerer Länder wie Luxemburgs, Tschechiens, Polens, Bulgariens, letztlich auch der Schweiz, Lichtensteins und der Isle of Man zu achten bereit ist.

Finanzkrise und Airline Industrie

Fluggesellschaften sind abhängig vom Finanzmarkt
Fluggesellschaften haben einen hohen Anteil an Kapitalkosten. Der Verlauf der Finanzkrise hat sicherlich Auswirkungen auf die Kapitalkosten der Branche, sei es in Form von Leasing-Raten oder Zinsen.
Ein anderer Aspekt der Finanzkrise, die Preise für den US-Dollars und das Öl, hat weitere Auswirkungen auf die Airline-Industrie. Ein fallender Ölpreis reduziert die Kosten, und ein fallender Euro stärkt die Position europäischer Fluggesellschaften im Dollar-Raum.
Der wichtigste Aspekt ist aber, daß die Airline-Industrie auf die Finanzwelt angewiesen ist, um sich gegen Schwankungen des Ölpreises und der Wechselkurse von Währungen anzusichern. Dazu wird ein System aus Derivaten (Futures, Optionen und andere Zertifikate) genutzt, dessen Existenz jetzt in Frage steht.

Vorgeschichte
Die internationale Finanzkrise wird in der Diskussion in Deutschland so behandelt, als sei die einzige Ursache die Krise des US-Immobilienmarktes und der damit verbundene Zusammenbruch des Marktes für Hypotheken und Papieren, die ihren Wert aus Forderungen an Hauseigentümer in den USA herleiten.
Die Hypotheken-Krise in USA ist jetzt über ein Jahr alt. Sie hat zwar zu Milliardenverlusten bei Banken und Verischerungen, und auch zu einer massiven Schwächung der Bilanzen in der Finanzindustrie geführt, aber nicht zu einem Zusammenbruch des Systemes.

Zusammenbruch von Lehman Brothers und AIG
Was ist genau passiert? Lehman Brothers ist an jenem 15.September nicht gescheitert, weil nach einer Abschreibung auf Hypotheken-Kredite oder deren Derivate die Eigenkapitalquote zu gering geworden wäre. Das wäre zum Quartalsende geschehen, und eine Lösung eines solchen Problems hätte bis zum Quartalsende Zeit gehabt.
Vielmehr war eine Zahlung auf ein Absicherungesgeschäft fällig geworden, und Lehman hatte weder das Cash, diese Zahlung zu leisten, noch die Fähigkeit, sich dieses Geld bei anderen Banken zu leihen (Dies wegen der geschwächten Bilanz und undurchsichtiger Risikopositionen). Ich vermute, daß es sich um eine Wette gegen den Dollar gehandelt hat. Dies entnehme ich der Information, daß zu diesem Zeitpunkt eine Zahlung in Höhe von ca 350 Mio Euro von der KFW an Lehmanns fällig geworden war, und auch bezahlt wurde, deren Ursprung nach Presseberichten eine Währungsspekulation war.
Aber auch der Rückgang des Ölpreises innerhalb von 6 Wochen um ca 50 Dollar pro Faß könnte der Hintergrund für die fällige Zahlung gewesen sein.

Risiko-Management ohne Glaubwürdigkeit?
Risikoabsicherungen haben nur dann einen Wert, wenn sie glaubwürdig sind. Wenn nun, wie bei Lehman, ein großer Player auf diesem Markt seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, und ein noch größerer Marktteilnehmer, nämlich AIG, dadurch so in Mitleidenschaft gezogen wird, daß er nur noch durch einen massiven staatlichen Eingriff am Leben gehalten werden kann, dann ist das System der Risikoabsicherung nicht mehr funktionsfähig.

Interbankenmarkt funktioniert nicht mehr
Das Handelsblatt berichtet am 01.10.2008:

    Wie heikel die Lage tatsächlich ist, zeigen die täglich von der EZB bekanntgegebenen Zahlen. So parkten die Banken über Nacht bei der EZB 44,4 Mrd. Euro – so viel wie noch niemals zuvor seit der Einführung des Euros vor fast zehn Jahren. Dabei handelte es sich um Geld, das die Banken nicht benötigten, es aber auch nicht einer anderen Bank leihen wollten. In normalen Zeiten belief sich das Volumen hier meist auf einen unteren dreistelligen Millionenbetrag.

    Auch die Zinssätze für Übernachtkredite in Dollar sprangen auf Rekordhöhe. Der Zinssatz, den Banken sich untereinander für diese Kredite berechnen (Libor), kletterte in London auf ein Allzeithoch von 6,88 Prozent. Die EZB versuchte gegenzusteuern und schrieb einen Dollar-Tender mit einer Laufzeit von einem Tag über 30 Mrd. Dollar aus. Ergebnis: Er war hoffnungslos überboten und wurde zum Rekord-Zinssatz von elf Prozent zugeteilt. Wegen der extremen Knappheit von Dollar-Liquidität versuchten ausländische Banken, sich Dollar am Devisenmarkt zu besorgen. Der Kurs des Euros sackte deswegen um vier Cent ab.

Quelle:Rettet den Rettungsplan! (bei Handelsblatt.com am 01.10.2008 veröffentlicht)
Dieser Abschnitt enthält drei Informationen:

  1. Die Banken schätzen selbst Kredite über Nacht an Ihre Partnerbanken als risikoreich ein.
  2. Liquidität in Euro ist genügend vorhanden
  3. Liquidität in Dollar ist äußerst knapp

Daß die Banken sich gegenseitig als hohe Risiken einschätzen, hat vermutlich weniger damit zu tun, daß sich die Akteure gegenseitg nicht mehr trauen. Diese Menschen arbeiten zum Teil schon seit Jahrzehnten zusammen, und sie wissen, daß sie aus diesem Strudel nur heil herauskommen können, wenn sie zusammenarbeiten und sich nicht gegenseitig belügen. Vielmehr ist das Problem, daß sie ihre eigene reale Risikoposition nicht mehr kennen, und wissen, daß es ihren Partnern genauso geht. Die Risikopositionen sind mit komplizierten Hedges genau eingestellt worden, mit Verpflichtungen, die Eingegangen wurden, und mit Versprechungen, die entgegengenommen wurden. Wenn nun nicht mehr klar ist, daß der Partner die Versprechungen, die er in Form von Zertifikaten gemacht hat, einhalten kann, ist auch die eigene Fähigkeit, eingegangene Verpflichtungen zu bedienen, in Frage gestellt. Und umgekehrt. Daher der hohe Libor.
Die Tatsache, daß Liquidität in Euro so reichlich vorhanden ist, daß die Banken mehr als 44 Milliarden Euro bei der EZB über Nacht quasi zinslos parken, zeigt zunächst einmal, daß die EZB das Liquiditätsproblem der Banken nicht lösen kann, nicht mit mehr Liquidität, und auch nicht mit niedrigeren Zinsen, denn im Prinzip ist ja Liquidität zum Zinssatz von Null vorhanden.
Aber aus Punkt 2 und 3 schreit die Frage, warum die Banken nicht zu 6% Euros leihen, dafür Dollars kaufen und diese für 11% verleihen. Meine Vermutung ist: Der hohe Bedarf an Dollar entsteht durch absehbare fällige Zahlungen auf Wetten auf einen fallenden Dollar und steigende Ölpreise. Wenn die betroffenen Banken jetzt Dollars kaufen, wird das den Preis des Dollars weiter steigen lassen, und damit auch die fälligen Zahlungen und somit die Menge der benötigten Dollar weiter erhöhen.
Was die EZB tun könnte, wäre dem Markt weitere Dollars – so sie diese hat – zur Verfügung zu stellen, oder sich bei der FED Dollars leihen, um diese dann den Banken im Euroraum zur Verfügung zu stellen. Dies würde aber das Eingeständinis beinhalten, daß dies nicht eine Krise ist, die alleine durch die Gier der Amerikaner verschuldet wurde und deren unschuldige Opfer die Europäer sind. Und dieses Eingeständnis wird der EZB und den hinter ihr stehenden Regierungen schwerfallen.

Zwischenbilanz
Das gesagte in ein paar dürren Worten zusammengefaßt: Wir haben eine Situation mit einem unerwartet steigenden Dollarkurs, unter Erwartungen liegendem niedrigen und vielleicht noch (in Dollar) sinkenden Ölpreis, zusammen mit einem drohenden Kollaps der Risiko-Management-Systeme in den internationalen Finanzmärkten.

Das große Problem für die Airline Industrie ist der Zusammenbruch des Risiko-Managements
Das Risiko-Management ist auch bei den Fluggesellschaften von zentraler Bedeutung. Sie sind weltweit, oder jedenfalls in vielen Regionen tätig, und somit von Schwankungen in Wechelkursen, Rohstoffpreisen, Zinsniveaus und der allgemeinen wirschaftlichen Situation in den Ländern, die sie bedienen, abhängig.
Als kapitalintensive Industrie müssen sie aber langfristige Investitionsentscheidungen treffen. Ein heute gebautes Flugzeug fliegt 30 Jahre, und beinhaltes über diesen Zeitraum eine Wette auf das Zinsniveau, den Treibstoffpreis, die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die Reisefreudigkeit der Urlauber etc.
Diese Risiken werden von den Airlines mit verschiedenen Methoden an andere Marktteilnehmer weitergereicht. Dazu gehören Leasingverträge für Flugzeüge, Futures und Optionen und andere Zertifikate auf Kerosin und Währungen. Auf diese Weise erreichen die Airlines, daß sie sich auf ihr eigentliches Geschäft, nämlich die Beförderung von Passagieren und/oder Fracht mit Flugzeugen konzentrieren können.
Wenn nun ein Partner im Risiko-Management wegbricht, liegt dieses Risiko wieder – und diesmal unerwartet – bei der Airline. Wenn also die Leasinggesellschft, die der Airline das Zinsrisiko für ihre Flugzeuge abgenommen hat, zusammenbrechen würde, stände die Airline ohne die betreffenden Flugzeuge da, oder müßte diese möglicherweise aus der Konkursmasse der Leasingesellchaft kaufen und selbst – zu den aktuellen Bedingungen – finanzieren.
Ähnliche Probleme können entstehen, wenn eine Airline Finanzierungen hat, die an die Bedingung einer Absicherung gegen einen Zahlungsausfall geknüpft ist, und der Partner für diesen Credit Default Swap (CDS) ausfällt.
Auf diese Weise kann auch eine gesunde Airline, die nach allen Regeln der Kunst gehandelt hat, unerwartete Probleme bekommen.

Fallender Ölpreis
Der fallende Ölpreis ist für alle Fluggesellschaften gut, und spült ihnen unerwartete zusätzliche Gewinne in die Kassen. Es wird sich aber auf Dauer ein Druck entwickeln, die hohen Treibstoffzuschläge zu reduzieren. Möglicherweise werden manche Fluggesellschaften die Treibstoffzuschläge senken, aber die Basistarife erhöhen. Damit wird die Preisstruktur auch an die sinkenden variablen Kosten und die steigenden Fixkosten (z.B. Finanzierungskosten) angepaßt.

Steigender Dollar
Wie sich ein steigender Dollar oder ein einbrechender Euro auf einzelne Fluggesellschaften auswirken wird, ist weniger klar. Wenn eine Fluggesellschaft ihre Einnahmen hauptsächlich in Euro hat, was für die meisten regional in Europa agierenden Fluggesellschaften wie Ryanair und Air Berlin, aber auch für die Tourismusflieger wie Condor und Tuifly zutreffen dürfte, ist entscheidend, wieviele ihrer Zahlungsverpflichtungen in Euro, und wieviele in Dollar zu leisten sind.
Das hat wieder damit zu tun, in welcher Währung die Finanzierungsverträge für die Flugzeuge abgeschlossen sind, aber auch in welcher Währung für Ersatzteile und Wartung bezahlt werden muß. Wenn eine Gesellschaft ihre Hausaufgaben gemacht hat, hat sie die Währung der Zahlungsverpflichtungen aus der Finanzierung an die Währung ihrer Einnahmen angepaßt. Unter dem Vorbehalt, daß ihre Finanzierungspartner sicher stehen, hat sie dann keine Schwierigkeiten.

Auswirkungen auf die Nachfrage nach Flugleistungen
Die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise auf die Nachfrage nach Flugleistungen könnte für verschiedene Marktsegmente durchaus verschieden sein:

  • Geschäftsreisen:
    Der fallende Euro-Kurs könnte die Nachfrage nach Geschäftsreisen stimulieren, da der Export von Investitionsgütern aus der Euro-Zone preisgünstiger wird. Und es gibt durchaus Exportmärkte, die in Dollar bezahlen und über die nötige Liquidität für Investitionen verfügen. Beispiele sind Länder des Mittleren Ostens, aber auch China und Indien. In diesen Ländern bleibt der Bedarf nach energiesparenden Investitionen hoch, selbst wenn der Ölpreis bis auf 80 Dollar pro Faß fallen sollte.
  • Urlaubsreisen:
    Wenn sich die Panik der Finanzmärkte auf den Arbeitsmarkt und die Stimmung der Konsumenten niederschlägt, werden viele sicherlich beim Urlaub sparen. Dies heißt aber nicht zwingend, daß sie auf eine Urlaubsreise verzichten. Aus einem 5-Sterne-Hotel könnte ein 4-Sterne-Hotel werden, und aus einer zweiwöchigen Urlaubsreise könnte eine Reisedauer von 10 Tagen werden. In beiden Fällen bliebe die Zahl der gebuchten Flüge gleich. Allerdings würde ein schwacher Euro vermutlich den Anteil der Fernreisen in den Dollar-Raum reduzieren und Reiseziele im Euro-Raum attraktiver machen. Im Gegenzug wäre aber auch ein Wachstum bei Urlaubsreisen aus dem asiatischen Raum nach Europa denkbar, wenn dieses nicht durch die Visapolitik der Schengen-Staaten blockiert wird.
  • Wochenend-Trips:
    Wochenend-Trips, die oft Shopping-Trips sind, werden in einem durch Rezessionsangst geprägten Klima sicherlich abnehmen. Man kann leicht darauf verzichten, und am Wochenende statt in Mallorca auch zuhause joggen oder schwimmen gehen, statt in Paris oder London auch in Frankfurt oder Paderborn einkaufen.

Zusammenfassung
Die Fluggesellschften sind insbesondere beim Risiko-Management und bei der Finanzierung der Flugzeuge auf die Finanz-Industrie angewiesen. Die Auswirkungen eines Zusammenbruchs der Riskio-Management-Systeme der Finanzindustrie hätte Folgen, die für die einzelnen Airlines durchaus unterschiedlich wären, und die im einzelnen nicht kalkulierbar sind.

Ein mit der Finanzkrise einhergehender Konjunktur-Einbruch wird sich besonders auf das Segment der Freizeitflieger auswirken, und hier wiederum besonders auf Anbieter von sehr preisgünstigen Flügen, die viele Kunden bisher eher aus einer Laune heraus und nicht unbedingt wegen eines wirklichen Bedarfes gebucht haben.



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Reiseveranstalter im Zeitalter des Internet

Ist das Geschäftsmodell der Reiseveranstalter obsolet?

Wie wirkt sich das Internet auf das das Geschäftsmodell der Reiseveranstalter in Deutschland aus? Um das zu klären, möchte ich zunächst einige Worte zum traditionellen Geschäftsmodell der Reiseveranstalter, vor der Zeit des Internets, verlieren.

Massiver Geldsegen für Reiseveranstalter durch Zugangskontrolle zum Urlaubsgebiet

Reiseveranstalter waren die einzige Brücke zwischen dem Urlauber und dem Anbieter touristischer Dienstleistungen in den Urlaubsgebieten, die weder mit dem Auto noch mit der Bahn erreichbar waren. Sie konnten den Marktzugang für die Urlaubsgebiete regulieren, und ohne TUI & CO kam auch niemand zu einem vernünftigen Preis und ohne Umsteigen nach Mallorca, Tobago oder auch Mombasa. Weder der Urlauber noch die Zielregionen kamen am Reiseveranstalter vorbei. Dieser war in einer enorm starken Position, wenn es darum ging, Rabatte bei Hotels auszuhandeln, und er hatte keine Veranlassung, diese Rabatte an den Endkunden weiterzugeben, denn der Kunde wäre ohne einen Reiseveranstalter mit seine Charterflugzeugen nicht zum Hotel gekommen.

Aufgeblähter Vertrieb

Reiseveranstalter nutzten den Geldsegen, der sich aus ihrer strategischen Position ergab, um ein aufwendiges Vertriebssystem mit dicken Provisionen für Reisebüros, üppigen Katalogen auf Hochglanzpapier in hohen Auflagen und teurer Werbung auf Plakaten und im Fernsehen aufzubauen. Alle waren glücklich. Der Urlauber kam in die weite Welt hinaus, in den Zielgebieten wurden die Hotels gefüllt, und die Reiseindustrie erfreute sich an einem Geldsegen, der seinesgleichen suchte.

Billigflieger brechen das Oligopol

Und nun kam das Internet daher. Es ermöglichte dem Reiseveranstalter und dem Reisebüro eine unglaubliche Vereinfachung der Kommunikation durch internet-basierte Reservierungssysteme. Aber es ermöglichte auch den Leistungsträgern in den Feriengebieten am Reiseveranstalter vorbei ihre Produkte direkt dem Kunden anzubieten. Das taten zuerst die Fluggesellschaften. Firmen wie Ryanair und Air Berlin bringen heute den Urlauber in die Feriengebiete zumindest rund ums Mittelmeer, ohne den Reiseveranstalter um Erlaubnis zu fragen.

Euro und Kreditkarten

Diese Entwicklung wurde durch die Einführung des Euro verstärkt. Durch das Internet wurde es außerdem möglich, daß praktisch jeder eine Kreditkarte bekommen kann. Damit steht nun ein internationales Zahlungsmittel zur Verfügung, mit dem der Kunde dem Hotel und der Mietwagenfirma an seinem Urlaubsziel zumindest die Stornogebühr garantieren konnte. Mit der Gatekeeper-Funktion der Reiseveranstalter ist es nun vorbei.

Expedia & co

Hinzu kamen neue Anbieter für Pauschalreisen, wie z.B. Expedia, die das Internet auch zur Kommunikation mit dem Endkunden nutzten, aber anders als die traditionelle Reiseveranstalter keinen aufgeblähten Vertrieb hatten, und somit einen enormen Kostenvorteil gegenüber dem herkömmlichen Reisevertrieb ausspielen konnte.

Ungeahnte Markt-Transparenz

Eine Reise ist doch ein recht kompliziertes Produkt, und so kann ein persönliches Gespräch zwischen dem Kunden und dem Verkäufer durchaus den Unterschied zwischen einem gelungenen Urlaub und einem Alptraum ausmachen. Daher hatten die Internet-Reiseveranstalter nur mäßigen Erfolg. Aber allein Ihre Anwesenheit bewirkte, daß insbesondere Reisebüros Ihre Angebote auch ins Netz stellen mußten, und sei es nur um der Behauptung eines Reise-Anbieters im Internet, es sei bei sofortiger Buchung nachts um halb drei um 10% günstiger als das Reisebüro, Lügen zu strafen, bevor die Buchung gemacht war. Also kamen Datebanken auf den Markt, über die ein Großteil des Inhalts der vorher internen Buchungs-Systeme veröffentlicht wurde. Dies führte zu einer Standardisierung der Reiseangebote und zu einem massiven Preisdruck, da ein Kunde bei zwei Angeboten für Reisen am selben Tag ins selbe Hotel mit derselben Zimmerkategorie natürlich den Reiseveranstalter auswählt, der, sei es auch nur um 10 Euro, preisgünstiger ist.

Hohe Verluste: Zwang zur Veränderung

Die fetten Jahre der Reiseindustrie waren somit vorbei. Reiseveranstalter kürzten die Provisionen der Reisebüros massiv, und machten in manchen Jahren dennoch sehr hohe Verluste. Sie versuchten Ihre Produkte selbst über das Internet direkt an den Kunden zu bringen, und brachten damit den Vertrieb massiv gegen sich auf. Gleichzeitig hatten Reisebüros nun viel mehr Möglichkeiten, eigene Produkte wie Gruppenreisen anzubieten, da sie ja nun bei den Flügen nicht mehr auf die Duldung der großen Reiseveranstalter angewiesen waren. Das war der Stand der Dinge etwa im Jahr 2006.

Hohe Ölpreise mischen Airlines auf

Danach hat eine massive Erhöhung der Ölpreise zu einem neuen Kostenschub speziell bei den Fluggesellschaften geführt. Es gibt eine Markt-Konsolidierung bei den Airlines, und es ist noch nicht abzusehen, wie der Markt für Flugreisen in ein oder zwei Jahren aussehen wird. Man kann aber annehmen, daß Strecken stillgelegt werden, und die Ferienflieger nicht mehr bereit sein werden, das Risiko für Flüge in manche Urlaubsgebiete alleine zu übernehmen. Dadurch wird Urlaub abseits der großen Flughäfen, die auch leicht mit Linienflügen erreichbar sind, wieder sehr viel teurer werden. Und es ist durchaus wahrscheinlich, daß für diese Reiseziele echte Charterflüge wieder wichtig werden, und manche Reiseveranstalter einen Teil ihrer Kontrolle über den Marktzugang wieder zurückbekommen.

Neue Marktsegmente: Neue Chancen

Eine große Zahl von preissensiblen Urlaubern werden sich jedoch notgedrungen in ihren Reisezielen umorientieren müssen. Diese werden dann statt in Kenia Urlaub zu machen, nach Dubai fliegen. Statt eines kleinen Gästehauses auf einer griechischen Insel wird es ein Hotel werden, das vom internationalen Flughafen in Tunis aus erreichbar ist.
Bei diesen Destinationen werden sich Reiseveranstalter und Reisebüros einem ruinösen Wettbewerb ausgesetzt sehen, denn hier kann der Kunde ganz ohne Reisevertrieb auskommen. Er kann den Flug direkt bei der Airline buchen, vollautomatisch mit minimalen Prozeßkosten für die Airline. Das Hotel kann er über das Internet reservieren. Urlauber, die nur Flug, Strand und Hotel suchen, Hauptsache weg vom Alltag, werden in einigen Jahren weder Reisebüro noch Reiseveranstalter benötigen.

Reisebüros im Internet

Schließen sich Reisebüro und Internet auf Dauer aus, oder wird es weiterhin unabhänige Reisebüros geben?

Die Frage ist berechtigt: Auch in der Reiseindustrie ist der Konkurrenzdruck so stark gewachsen, daß sich niemand mehr komplizierte Prozesse erlauben kann, wo es auch einfach geht. Der Grund dafür ist nicht zuletzt die enorm gestiegene Transparenz des Marktes, die wir zu einem großen Teil dem Internet verdanken.

So wie es keine Tankstellen ohne Selbstbedienung mehr gibt, wird es auch kein Reisebüro mehr geben, das Dienstleistungen manuell erbringt, die genausogut oder besser vom Kunden selbst in einem automatisierten Prozeß erbracht werden können. Es wird also auf Dauer kein Reisebüro mehr geben können, das sich darauf bechränkt, für einen Reisewunsch des Kunden aus einem Pool von 5 Veranstaltern das günstigste Angebot herauszusuchen. Wenn Sie dies als wichtigste Funktion eines Reisebüros sehen, dann werden Sie zu dem Schluß kommen, daß Reisebüro und Internet ein Gegensatz ist – und daß sich kein Reisebüro gegen das Internet behaupten kann.

Die Tatsache, daß wir ein Internet-Reisebüro betreiben, besagt aber, daß ich einen anderen Weg sehe: Das Internet ist nicht Gegner des Reisebüros, sondern eine große Hilfe. Ich will, um dies zu erklären, die Software-Branche als Beispiel nehmen. Es gibt dort standardisierte Produkte, wie z.B. Windows oder Microsoft Office, die ohne Beratung in – zugegebenermaßen auf Computer spezialisierten – Supermärkten, aber auch über den Versandhandel z.B. für Bücher oder Büroartikel vertrieben werden. Diese Produkte werden als Pakete wie Waschmittel verkauft. Wer es geöffnet hat, muß es bezahlen und mitnehmen. Niemand weiß genau wie es funktioniert. Aber zusammen mit der richtigen Waschmaschine bringt das Waschpulver das gewünschte Ergebnis, und zusammen mit dem richtigen Computer ermöglicht uns die standardisierte Software, was wir sonst niemals erreichen könnten.

Wenn wir nun die Augen aufmachen, finden wir schnell heraus, daß es Waschmaschinen und Wäscherei gibt. Ebenso gibt es Windows und Linux. Heißt das am Ende, daß es auch Reisebüro und Internet weiter geben wird?

Und noch etwas fällt auf: Wäschereien gaben Waschmaschinen. Wer einen Linux-Apache Webserver administriert, hat aller wahrscheinlich auch einen Windows-PC. Und wer bei McDonalds ißt, hat mit einiger Wahrscheinlichkeit auch einen Herd zuhause.

Ich meine also: Reisebüro und Internet wird es weiter geben, aber Reisebüros ohne Internet kann es schon heute nicht mehr geben. Aber auch solche Reisebüros, die das Internet nur für die Kommunikation mit Leistungsträgern, zum Beispiel über Reservierungssysteme, nutzen, wird es nicht mehr lange geben.

Wenn der Kunde eine Pauschalreise oder einen einfachen Flug möchte, wird er diese direkt beim Reiseveranstalter oder bei der Fluggesellschaft buchen. Denn damit wird ein automatisierter Prozeß möglich, der sogar weiter geht, als bei der SB-Tankstelle. Reservierung, Buchung und Bezahlung werden vollständig automatisiert. Ein Mensch greift nur noch ein, wenn eine Fehlermeldung auftritt. Bei einer Buchung über ein Reisebüro auf der Straße hat der Reiseverkäufer mindestens 15 Minuten zu tun, bis er herausgefunden hat, welche reise der Kunde eigentlich will. Dann muß er buchen. Anschließend müssen mindestens 2 Rechnungen geschrieben werden, und 2 Zahlungsprozesse überwacht werden: Entweder bezahlt der Kunde an das Reisebüro, und das Reisebüro an den Veranstalter, oder der Kunde bezahlt an den Veranstalter, und dieser bezahlt die Provision an das Reisebüro. Dieser komplizierte Prozeß, zusammen mit den dafür notwendigen Reservierungs-Systemen, drückt sich zwangsläufig im Preis aus. Wer nicht in der Lage ist, seinen Kunden für diesen höheren Preis einen entsprechend höheren Wert zu liefern, für den wird Reisebüro und Internet ein tödlicher Gegensatz sein..

Wie es einfach unmöglich ist, daß eine kleine Firma erfolgreich mit Microsoft Windows konkurrieren kann. Aber es gibt dennoch kleine IT-Unternehmen, die gutes Geld verdienen. Diese arbeiten mit Open Source Programmen, die auch für den Kunden kostenlos zugänglich sind. Aber diese IT-Firmen, wissen, wo es diese Programme gibt, was sie können, und wie sie kombiniert werden können, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Sie entwickeln auf dieser Grundlage entweder eigene Produkte, wie z.B. eShops, bieten auf dieser Grundlage einen eigenen Service an, wie z.B. die Reservierungssysteme für die Reiseindustrie, oder Sie bauen aus diesen kostenlosen Programmen auf die speziellen Bedürfnisse Ihrer Kunden zugeschnittene Lösungen.

Eine ähnliche Struktur sehe ich für den Reisevertrieb kommen: Standardisierte Produkte kauft der Kunde über das Internet, oder bestenfalls nachdem er sich im Internet informiert hat in einem vom Reiseveranstalter kontrollierten Büro auf der Straße. Alles andere wäre zu teuer.

Wenn der Kunde aber eine kompliziertere Reise vor hat, wird er auf Reisebüro und Internet zurückgreifen. Er wird sich im Internet zunächst die Informationen zusammensuchen, mit denen er den Rahmen der Reise absteckt. Dann wird er sich einen Dienstleister suchen, der weiß, wo es die geeigenten Bauteile für die Reise gibt, und der in der Lage ist, sie so zusammenzuführen, das aus der Traumreise kein Alptraum wird.

Dies wird ein spezialisiertes Reisebüro sein. Dieses hat aber ein komplett anderes Profil als eine Annahmestelle für Reisebuchungen in den 80er-Jahren hatte.

Und was ist Ihre wichtigste Anforderung an ein Reisebüro im Zeitalter des Internet?